Allgäuer Currywurst trifft auf Bitcoin

Hunger und das Portemonnaie daheim vergessen? Kein Problem! Bei „Olaf´s Curry Alm“ in Kempten kann man unter anderem auch mit der Krypto-Währung „Bitcoin“ bezahlen. Davon haben sich die Jungen Liberalen Allgäu ein näheres Bild gemacht.

 

 

Die Kreisvorsitzende Michelle Diepolder ist der Einladung eines echten Bitcoin-Experten gefolgt, der die JuLis auf den außergewöhnlichen Service aufmerksam gemacht hat. Markus Turm ist beruflich in der Softwareentwicklung tätig und betreibt hobbymäßig einen Podcast rund um das digitale Geld. „Einundzwanzig“ heißt der Kanal, bei dem er mit Experten aus der Szene neu Trends aber auch grundsätzliches zur Geldpolitik diskutiert. „Mich fesselt beim Bitcoin hauptsächlich, dass man digital und doch anonym bezahlen und anlegen kann. Das macht einen unabhängig von staatlichen Währungen sowie deren Inflation. Als Anhänger der österreichischen Schule der Nationalökonomie sehe ich mit Bitcoin die Chance gekommen Staat und Geld zu trennen und so Hayeks Traum von einem freien Markt für Geld zu verwirklichen“, so Turm.

Das verruchte Image von Krypto-Währungen kann der Informatiker nicht nachvollziehen. „Natürlich werden im sogenannten Darknet auch Transaktionen mithilfe von Bitcoins abgewickelt. Bitcoin kann aber auch in repressiven Regimen wie Diktaturen von Systemkritikern dazu genutzt werden, als eine Flucht zu finanzieren oder die Familie aus dem Ausland heraus zu unterstützen, ohne dass der Staat einen Einfluss nehmen kann. Das wird in einer Welt, in der immer mehr Staaten – durch digitale Überwachung – Kontrolle über das Privatleben der Bürgerinnen und Bürger erlangen, immer wichtiger“, so der Krypto-Experte.

Um seine Currywurst mit Bitcoin bezahlen zu können muss man sich zunächst ein sogenanntes „Wallet“ – eine Smartphone-App – zulegen, auf dem man dann seine Bitcoins, welche man zuvor bei ausgewählten Online-Banken wechseln muss, ansparen kann. Möchte man eine Zahlung tätigen, wird die Transaktion via QR-Code-Scan bestätigt. Auf diese Weise wechseln für eine Currywurst mit Pommes ungefähr 25.000 „satoshi“ – die kleinste Bitcoin-Einheit – den Besitzer. Das entspricht umgerechnet 6 €.

 

Eine Einzigartigkeit im Allgäu

Als Experiment bezeichnet der Inhaber der „Curry Alm“ Olaf Schmidt den ungewöhnlichen Zahlungsservice: „Ich akzeptiere als Zahlung nur Bargeld oder Bitcoin. Ich erhoffe mir dadurch keinen Reichtum, bis jetzt war es aber die richtige Entscheidung“. Die Chance dafür, dass es sich für den Unternehmer gelohnt haben könnte ist dabei relativ hoch. Seit Anfang des Jahres ist der Bitcoin-Kurs um ca. 300 % gestiegen.

Fasziniert zeigt sich auch die Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Allgäu von dem unkonventionellen Bezahlungssystem: „Natürlich ist es etwas sehr Spezielles und die Nutzerzahlen halten sich derzeit auch noch sehr in Grenzen. Allerdings finde ich es fantastisch, dass hier in Kempten solch ungewöhnlichen Wege gegangen und neue Dinge ausprobiert werden. So etwas erwartet man eher in Metropolen wie Berlin oder Hamburg. Seine Currywurst mit Bitcoin bezahlen zu können ist schon eine Einzigartigkeit im Allgäu.“

Von der Politik erwartet die 20-jährige, dass man sich ernsthafter mit alternativen Geldsystemen auseinandersetzt und die Chancen von Krypto-Währungen in der Diskussion nicht aus den Augen lässt: „Die Digitalisierung wird immer mehr Facetten unseres Lebens beeinflussen. So auch die Geldpolitik. Die Gefahren einer zunehmenden Überwachung von Geldströmen durch den Staat sind realer als je zuvor. Eine Abschaffung des Bargeldes darf es deswegen nie geben. Aber auch Alternativen wie Krypto-Geld dürfen vom Staat nicht unterbunden oder verboten werden“, so Diepolder.