Beim Thema Gleichstellung gibt es noch viel zu tun

Der Frauenanteil innerhalb der Parteianhängerinnen der Freien Demokratischen Partei beläuft sich derzeit auf 22 %. Das ist der geringste Wert seit 30 Jahren. Knapp 24 % der Parlamentarierinnen der FDP sind weiblich und sogar nur 16 % aller Kreisvorsitzenden. Die Arbeitsgruppe Diversity Management innerhalb der FDP prüft nun, inwieweit ein größerer Fokus auf frauen,- und familienpolitische Themen sowie auch die Kommunikation (Stichwort: gendersensibler Sprachgebrauch) helfen kann. Die Jungen Liberalen Allgäu haben sich auch aufgrund dieser Tatsache am vergangenen Mittwochabend (18.04.2018) zum Stammtisch unter dem Motto „Let´s talk about sex and gender“ getroffen, um des Pudels Kern der asymmetrischen Geschlechterverhältnisse näher auf den Grund zu gehen.

Vielleicht gleich zu Beginn: nein, die Anhängerinnen der Julis Allgäu sprechen sich nicht für eine verpflichtende Quote an Frauen aus. „Wir Liberale tun uns naturgemäß mit Quotenregelungen sehr schwer. Natürlich ist uns allen bewusst, dass eine verpflichtende Quote effektiv und schnell ist. Aber erstens möchte ich als Frau nicht in ein Amt kommen, weil unsere Mutterpartei die 30 „vollkriegen“ muss – das würde meine eigene Leistung untergraben – und zweitens: was nützt eine solche Regelung, wenn es doch bereits an weiblichen Parteianhängerinnen mangelt? Ich denke, wir sollten uns bereits hier Gedanken machen, dann klappt das auch mit mehr Frauen in Ämtern“, so Daniela Busse, Stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen Allgäu und Direktkandidatin für den Bezirk im Stimmkreis Kempten-Oberallgäu.

Ein Richtwert scheint hier ein geeigneter Kompromiss zu sein. Natürlich muss dann aber auch innerhalb der Parteianhängerinnen alles dafür getan werden, um einen Wert um die 30 % zu erreichen. „Unsere Mutterpartei und auch wir Jungen Liberalen müssen diesen Anspruch haben. Wir können es uns nicht leisten, einen großen Teil unserer Bürgerinnen nicht anzusprechen“, meint Michael Käser, Vorsitzende der Julis Allgäu und Direktkandidatin für den Bezirk im Stimmkreis Sonthofen-Lindau.

Daneben wurde auch über Gewalt an Frauen und über das Gewaltschutzgesetz in Bayern gesprochen. Die Jungen Liberalen Allgäu möchten nun prüfen, inwieweit die Abdeckung an Frauen,- und Mädchenhäusern in Schwaben und Bayern ausreicht. Zudem wurden auch Themen wie der § 219a StGB und der Gesetzesentwurf der Freien Demokratinnen sowie der Vorschlag einer kostenfreien Verhütung erörtert. Der (un)bereinigte Gender PayGap kam dabei auch zur Diskussion. Und ganz nebenbei: Um eine große Mär beim sogenannten unbereinigten Gender PayGap zu lüften: die Lohnlücke von Männern und Frauen liegt unbereinigt in Deutschland bei 21%, bereinigt (also nach Einberechnung von Unterschieden wie Voll,- und Teilzeitbeschäftigung, dem Berufssektor, der Qualifikation u.ä.) immer noch bei 6 %. Dennoch gibt auch diese unbereinigte Lohnlücke bereits Aufschluss darüber, dass in unserer Gesellschaft indirektes/mittelbares, strukturelles Diskriminierungspotenzial vorherrscht, denn: schlechter bezahlte Berufsgruppen z.B. im Sektor Pflege oder Erziehung werden meist von Frauen ausgeführt, Frauen sind viel häufiger in Teilzeit beschäftigt und können aufgrund von Erziehungszeiten weniger Berufsjahre und damit einhergehend oftmals auch weniger Qualifikation vorweisen. Es gibt also noch viel zu tun.

Wer nun glaubt, die Julis hätten sich beim Stammtisch auf frauenspezifische Themenfelder fokussiert, der irrt: „Ich halte wenig vom Dualismus: Frauen,- und Männerthemen. Wieso sollte bspw, Familienpolitik mehr Frauen ansprechen, die Väter gehören doch auch zur Familie. Bei all diesen Bereichen sollten sich sowohl Männer als auch Frauen angesprochen fühlen. Es genügt nicht, wenn sich nur Frauen für ihre Rechte stark machen, es sollte selbstverständlich sein, dass dies auch die Männer in Sinne einer gleichgestellten Gesellschaft tun.“ So Daniela Busse abschließend.

Und – ist Ihnen etwas aufgefallen? Wundern Sie sich, weshalb Herr Käser als Direktkandidatin beschrieben wurde oder weshalb es nur Parteianhängerinnen und Bürgerinnen in unserem Text heißt? Ein wenig seltsam nicht? Genauso fühlt es sich aber für viele Frauen umgekehrt an, wenn immer nur von „dem Bürger“ gesprochen wird.